Sarotti-Reklame regt Diskussion an

Aufgrund der Diskussion, die sich um die Sarotti-Reklame entsponnen hat, werden wir hier alle wichtigen Punkte aufführen, da wir keine Möglichkeit sehen, die äußerst umfangreiche Diskussion auf Facebook moderierend zu begleiten.

10. Oktober 2018 Veranstaltung von Mannheim sagt ja! Monnemer of Colour - Berichte und Vorträge zum Thema Alltagsrassismus
Teilnehmer der Veranstaltung üben Kritik an der Sarotti-Reklame über der Theke im Foyer

Vor und nach der Veranstaltung gab es einige kritische Posts auf Facebook in Bezug auf die Sarotti Reklame. Wir nehmen diese Kritik ernst und stoßen auch von unserer Seite eine Diskussion an.

15. Oktober 2018 Facebook Statement Capitol Mannheim
Anlässlich einer Veranstaltung von „Mannheim sagt Ja!“ zum Thema Rassismus vor wenigen Tagen wurde die Werbeanlage an der Sarotti Theke angesprochen. Diese zeigt neben dem Schriftzug zwei Mal die Abbildung des "Sarotti-Mohren" als Diener, deren Darstellung dazu geeignet sein könnte, Menschen zu verletzen. Im Capitol ist kein Platz für Rassismus, Hetze und Hass – deshalb nehmen wir diesen Hinweis auf rassistische Darstellungen sehr ernst. Wir haben das Denkmalamt und das Marchivum darum gebeten, uns in der Aufarbeitung behilflich zu sein. Unser Ziel ist es, mit diesem Thema, das dazu geeignet ist Menschen herabzuwürdigen, adäquat umzugehen. Deshalb muss es unsere Aufgabe sein, unsere Gäste und Künstler zu sensibilisieren. Wir verstehen dies als einen Prozess, in dessen Verlauf wir Betroffene zu Wort kommen lassen, Verständnis wecken, die historischen Vorgänge aufarbeiten und einen Umgang finden wollen. Diesen Prozess werden wir in den nächsten Wochen beginnen.
Hier findet man den Beitrag auf Facebook.

In den nächsten Tagen erhält der Post über 700 Kommentare, die zeigen, dass es immernoch notwendig ist das Thema Alltagsrassismus in die Diskussion zu bringen. Wir können es nicht leisten die Moderation einer so ausführlich geführten Diskussion zu übernehmen. Dies wäre aber bei vielen Kommentaren von Nöten. Deshalb entscheiden wir uns für den Schritt die Dokumentation des weiteren Vorgehens auf unserer Homepage abzubilden.

17. Oktober 2018 Offizielles Presse Statement Thorsten Riehle - Geschäftsführer Capitol Mannheim
Das Capitol ist seit Jahren bekannt dafür, gesellschaftliche Themen aufzugreifen und gerade Fremdenfeindlichkeit und Rassismus mit Veranstaltungen im Haus zu thematisieren. Nun stehen wir selbst im Zentrum einer solchen Debatte. Die Heftigkeit, mit der die Diskussion zur Sarotti-Werbung in den sozialen Medien geführt wird, zeigt, wie umstritten das Thema in unseren Tagen ist. Wir wollen uns dieser Diskussion bewusst stellen.
Dafür werden wir mehrere Veranstaltungen auf den Weg bringen, um das Thema mit Experten, Betroffenen und unserem Publikum aufzuarbeiten. Wir versprechen uns davon, dass wir als Kulturtreibende Alltags-Rassismus durch die Aufnahme in den Spielplan aufzeigen und bei unseren Besuchern und Gästen Sensibilität stärken können. Um auch für unser Haus einen Umgang mit der umstrittenen Darstellung finden zu können, werden wir darüber hinaus mit einem Beratergremium ins Gespräch kommen. Dieses stellen wir gerade zusammen. Zusagen haben wir von Gerhard Fontagnier als 1. Vorsitzenden von „Mannheim sagt Ja!“ aber auch von Mo Asumang, einer Journalistin, die durch ihren Film und das Buch „Die Arier“ eine große Öffentlichkeit für das Thema hergestellt hat. Ich spreche derzeit über eine Veranstaltung mit ihr hier bei uns.

18. Oktober 2018 Artikel im Mannheimer Morgen zum Thema
Artikel: Problematisch oder "totaler Unfug"? von Peter W. Ragge
Kommentar: Pro und Kontra mit Umfrage

18. Oktober 2018 Artikel auf Rheinpfalz.de
Artikel: Capitol Mannheim: Rassismus-Debatte wegen Leuchtreklame
Kommentar: Sarotti-Reklame: Ein Überrest aus vergangenen Tagen

19. Oktober 2018 Mannheimer Morgen
„Echt albern“ oder „nicht mehr zeitgemäß“?

19. Oktober 2018 Veröffentlichungen auf Der Neckarstadt-Blog von Johannes Paesler
Bericht: "Das Symbol aus der Vergangenheit. Eine alte Schokoladenwerbung im Eventhaus Capitol wird des Rassismus bezichtigt"
Kolumne zum Thema

19. Oktober 2018 unser erster Facebook Post hat inzwischen über 900 Kommentare

19. Oktober 2018 postalischer Eingang eines Statements von Teilnehmern der Veranstaltung "Monnemer of Colour"
Lieber Herr Riehle, liebes Capitol Team,
heute, am 10.10. haben wir gemeinsam in der Veranstaltung "Monnemer of Colour" über das Themenfeld Alltagsrassismus diskutiert. Unter anderem haben wir über die Dekoration der "Sarotti-Bar", vor allem das Bild des Sarotti-Mohr" gesprochen. Unserer Ansicht nach ist die Dekoration in ihrer herabwürdigenden Darstellung eines farbigen Menschen nicht mehr vertretbar.
Wir sind der Ansicht, dass es für das Capitol richtig wäre, zumindest ernsthaft zu überlegen, ob diese Dekoration noch zeitgemäß ist und am besten das Bild zu entfernen.

Unterzeichnet von 11 Teilnehmern der Veranstaltung.

24. Oktober 2018 Stellungnahme des Landesamts für Denkmalschutz
Auf Capitol Anfrage antwortet das Landesamt für Denkmalschutz wie folgt: Die Werbeanlage kann abgehängt werden, da sie nicht aus der Erbauungszeit des Capitol stammt und als beweglicher Gegenstand bei einem Kulturdenkmal nach §2 DSchG nicht zum Schutzgut gehört. Folglich kann der Denkmalschutz die Erhaltung der Werbeanlage nicht fordern. Sollte die Anlage abgebaut werden, muss sie aber gelagert, konserviert und somit der Nachwelt erhalten bleiben. Der Denkmalschutz empfiehlt jedoch den Erhalt der Werbeanlage mit einer entsprechenden Kommentierung.

25. Oktober 2018 unser erster Facebook Post hat inzwischen über 1000 Kommentare

29. Oktober 2018 Beratergremium steht fest
Wie bereits berichtet wollen wir nach den Diskussionen und Veranstaltungen, die wir rund um das Thema Rassismus planen, mit einem Beratergremium abschließend klären, wie wir mit der Sarotti Werbeanlage umgehen.
In das Gremium wurden nun folgende Experten berufen:

Ruhan Karakul – Rechtsanwältin und Fachanwältin Strafrecht, bis 2015 externes Mitglied in der Enquetekommission „Konsequenzen aus der Mordserie des NSU“, bis September 2018 Justitiarin des Zentralrates der Deutschen Sinti und Roma unter anderem mit den Schwerpunkten Antirassismus und Antidiskriminierung, Ombudsfrau bei den Untersuchungen im "rnv-Rassismus Skandal"
Mo Asumang – Regisseurin, Fernsehmoderatorin und Autorin des Buches „Mo und die Arier - Allein unter Rassisten und Neonazis“
Gerhard Fontagnier – als 1. Vorsitzender von „Mannheim sagt Ja!“ engagiert er sich für Flüchtlinge und Migranten und setzt sich aktiv gegen Hass, Hetze und Rassismus ein
Prof. Dr. Ulrich Nieß – Historiker und Direktor des MARCHIVUM – Haus der Stadtgeschichte, unter anderem Gutachter bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft und Mitglied der Kommission für geschichtliche Landeskunde Baden-Württemberg

31. Oktober 2018 Schwöbels Woche im Mannheimer Wochenblatt widmet sich dem Thema. Hier nachzuhören. Hier nachzulesen auf S.2 (Ausgabe Wochenblatt Mannheim, 31. Oktober 2018 auswählen)

02. November 2018 Einstündige Diskussionsrunde in der Sendung "Zur Sache" beim Rhein-Neckar-Fernsehen 15.00-16.00 Uhr
Wie harmlos ist der Sarotti-Mohr?

Alte Leuchtreklame im Mannheimer Capitol plötzlich Tagesgespräch
Gäste:
1. Christoph Dyckerhoff, Ethik-Berater
2. Henning Lobin, Direktor Institut für Deutsche Sprache
3. Thorsten Riehle, Geschäftsführer Capitol / Stadtrat MA
4. Peter Verclas, Präsident Marketing-Club Rhein-Neckar
5. Jennifer Yeboah, Leiterin Quartiermanagement MA-Herzogenried
Gesprächsleitung: Bert Siegelmann
Hier in der RNF Mediathek zu sehen: https://www.rnf.de/mediathek/video/zur-sache-vom-2-november-2018/?fbclid=IwAR0eXUFxdI3poRo5wuD5UPrfYRluPEC_wzqjrl4JlWr6bbLgy5i9bd0HidU

08.11.2018 Statement Freundeskreis Vorstand
Wir, der Vorstand des Capitol Freundeskreis e.V., haben anlässlich unserer Sitzung am 6. November über die Diskussion um den Sarotti Mohr gesprochen. Zunächst wollen wir festhalten, dass das Capitol ein weltoffenes Haus ist und in seiner Haltung als Kultureinrichtung auf Toleranz und Vielfalt aufbaut. Es ist uns wichtig dies zu betonen, da wir den Eindruck gewonnen haben, dass die Diskussion in Teilen aus dem Fokus geraten ist. Wir halten den vorgesehenen Weg der Thematisierung von Rassismus für richtig und wollen unser Capitol darin bestärken, einen adäquaten Umgang mit der Werbeanlage zu finden. Für uns steht es außer Frage, dass jeder, der mit der Sarotti Schokolade aufgewachsen ist, den Sarotti Mohr als positiven Markenkern erlebt hat. Das bitten wir in der Diskussion zu beachten.
Für den Vorstand des Capitol Freundeskreis e.V.
Andreas Seufert, Vorsitzender

21.11.2018 Die Veranstaltungsreihe "Kein Platz für Rassismus" soll die Diskussion weiter führen.

Folgende Veranstaltungen sind geplant:

Mittwoch, 23. Januar 2019, 20 Uhr, Capitol
"Solange es Menschen gibt" - Ein Film über Rassenvorurteile
In Zusammenarbeit mit "Mannheim sagt Ja!"
Eintritt frei

Sonntag, 10. Februar 2019, 16 Uhr, Casino
Tee mit T. "Rassismus im Alltag - geht uns das alle an?"
Thorsten Riehle im Gespräch mit Ruhan Karakul und Jennifer Yeboah
Eintritt frei

Dienstag, 19. Februar 2019, 20 Uhr, Casablanca
Die Sache mit dem "Sarotti Mohr"
Zwischen Kolonialrassismus und Alltagsdiskriminierung
Informations- und Diskussionsabend
Eintritt frei

Mittwoch, 20. Februar 2019, 20 Uhr, Capitol
"Die Arier"
Film und Diskussion mit Mo Asumang
Eintritt frei
Weiterhin ist eine Schülervorstellung geplant

Begleitprogramm:
Sonntag, 27. Januar 2019, 18 Uhr, Casino
Dr. Markus Weber und Dieter Scheithe
"Die Zwei von der Klangstelle"
Eintritt 18,00 € / Beste Semester 13,00 €

25.11.2018 Runder Tisch
Zu einem Runden Tisch zum Thema Sarotti Werbeanlage traf sich am Sonntag, 25. November 2018  Geschäftsführer Thorsten Riehle mit unterschiedlichen Interessengruppen. Mit dabei waren Vertreterinnen des Antidiskriminierungsbüro, Vertreterinnen der vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung, Vorstände von „Mannheim sagt Ja!“, Vertreter der Interessengemeinschaft der Schwarzen in Deutschland, Kulturschaffende sowie die vom Capitol eingesetzte Expertenrunde. Neben Kritik an der fehlenden Beteiligung lokaler Betroffener gab es Lob für den Prozess an sich und zahlreiche Hinweise darauf, wie das Capitol mit der Werbeanlage aber auch dem Thema an sich umgehen kann. Die Mehrheit der Anwesenden sprach sich in einer Schlussrunde für die Entfernung der Werbeanlage aus.

19.02.2019 Die Sache mit dem 'Sarotti Mohr' – zwischen Kolonialrassismus und Alltagsdiskriminierung
mit Tina Koch, Dr. Halua Pinto de Magalhaes und Prof. Dr. Ulrich Nieß
Vorträge:
1, Marchivum - Ulrich Nieß - Die Anfänge einer Werbefigur bis 1945 / Eine Werbeikone bis heute: Kindertraum oder –trauma?
2, Impulsvortrag von Dr. Onur Suzan Nobrega (leider erkrankt), Co-Referent Dr. sc. Halua Pinto de Magalhaes „Kolonialismus, institutioneller Rassismus und die Rolle von Kulturinstitutionen“
3, Antidiskriminierungsbüros - Tina Koch - "Die Sache mit Sarotti in Mannheim ... Alltagsdikriminierung und die Rolle der Stadtgesellschaft"

Moderiert wurde das Gespräch am 19. Februar von Gerhard Fontagnier.
Anschließend Gesprächsrunde.

19./20.02.2019 Filmvorführungen und anschließende Diskussion "Die Arier" mit Mo Asumang vor Erwachsenen und Schülern

 

21.02.2019 Artikel zur Veranstaltung am 18.02.2019
Die Rheinpfalz: Nachbericht "Der Sarotti-Mohr hat ausgedient" von Antje Landmann
Lampertheimer Zeitung: Nachbericht "Streit um Sarotti-Mohren" von Wolf Goldschmitt

22.02.2019 Artikel zur Veranstaltung am 18.02.2019
Mannheimer Morgen:
"Schöpfer der Figur nicht rassistisch" von Christian von Stülpnagel

24.02.2019 Artikel zur Veranstaltung am 18.02.2019
Kommunalinfo.de:
Muss er weg, darf er hängen bleiben oder soll er ins Museum? Kontroverse Diskussion um den “Sarotti Mohr” von cki

Offizielle Stellungnahme der Capitol Stiftung zur Entscheidung - veröffentlicht am 27.02.2019
Für uns als Hauseigentümer waren die letzten Monate eine intensive Zeit der Auseinandersetzung mit den Themen Rassismus und Alltagsdiskriminierung.

Wir möchten uns zunächst bei allen bedanken, die sich konstruktiv in die Diskussion um die Sarotti Werbeanlage eingebracht haben. Insbesondere gilt unser Dank dem Beratergremium, bestehend aus Ruhan Karakul, Gerhard Fontagnier und Prof. Dr. Ulrich Nieß, das uns intensiv begleitet hat.

Die Diskussion um die Sarotti Werbefigur ist ein emotionales Thema. Sie hat eines gezeigt: viele Menschen identifizieren die Figur als ein kolonialrassistisches Zeugnis, das nicht mehr in unsere Zeit gehört. Andere haben positive Erinnerungen und verweisen darauf, dass sich die Figur historisch nicht mit Rassismus in Verbindung bringen lässt, zumal  die Familie des Erschaffers der Figur Julius Emil Friedrich Gipkens selbst rassistischer Verfolgung durch das NS Regime ausgesetzt war und in die USA floh.

Diese beiden Positionen sind unvereinbar und in einer Art und Weise aufeinandergetroffen, die uns in ihrer Heftigkeit sehr erschreckt hat.

Für uns als Capitol steht außer Frage, dass sich Alltagsdiskriminierung und Rassismus in unserer Gesellschaft unzweifelhaft finden lässt. Es gibt allerdings kaum eine Möglichkeit, darüber ins Gespräch zu kommen. Mit der Veranstaltungsreihe „Kein Platz für Rassismus“ haben wir einen Ort geschaffen, der dieses Gespräch ermöglicht hat. Mehr als 700 Jugendliche und Erwachsene haben die sechs Veranstaltungen wahrgenommen. Für uns ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass es weiterhin einen Raum für die Auseinandersetzung mit Rassismus geben muss.

Das schaffen wir als Kultureinrichtung aber nicht alleine, dafür wird eine gesamtgesellschaftliche Diskussion benötigt.

Für uns ist aber klar, dass wir diesen Raum weiterhin anbieten wollen, da wir festgestellt haben, dass das Thema für die überwiegende Mehrheit unserer Gäste bisher keine oder nur eine geringe Rolle in ihrem Alltag spielte.

Für unsere Entscheidung, für die wir uns Zeit genommen haben,  haben wir uns aus diesen genannten Gründen nicht die Frage gestellt, wie die Öffentlichkeit oder Betroffene entscheiden würden, sondern wie wir diese Auseinandersetzung mit Alltagsrassismus sichtbar machen und damit in das Bewusstsein unserer Gäste bringen können.

Aus diesem Grund haben wir uns zu folgender Vorgehensweise entschieden:

  1. Die Sarotti Werbeanlage bleibt in unserem Haus erhalten.
  2. Die Sarotti Figur wird weiterhin gezeigt, ihre Haltung wird aber verändert. Sie soll zum Symbol für unseren Wunsch werden, mit unseren Gästen dauerhaft im Gespräch zu bleiben. Eine Irritation des Betrachters ist hier gewünscht und beabsichtigt, diese soll den Dialog anregen. Wie genau die veränderte Haltung aussehen wird, werden wir in den nächsten Wochen in Zusammenarbeit mit unserem Kreativteam erarbeiten und danach bekannt geben.
  3. Um weitere Gespräche zu befördern, werden wir zu Beginn eines jeden Jahres gemeinsam mit weiteren Akteuren und Initiativen zu den Aktionstagen „Kein Platz für Rassismus“ einladen.

Wir versprechen uns von dieser Vorgehensweise, die eine der Optionen war, die wir im Oktober mit Betroffenen sowie Einrichtungen und Verbänden am runden Tisch diskutiert hatten, im dauerhaften Gespräch mit der Bevölkerung zu bleiben und somit unseren Anteil auf dem Weg zu einer rassismusfreieren Gesellschaft zu leisten.

Diese Vorgehensweise haben wir mit unserem Beratergremium besprochen. Bis auf Frau Karakul haben die Mitglieder dem zugestimmt.

Uns ist durchaus bewusst, dass diese Maßnahmen den Umstand mit sich bringen, die Diskussion um die Sarotti Werbefigur nicht zu beenden. Wir sind aber der festen Überzeugung, dass sie uns helfen wird, dem beschriebenen Ziel näher zu rücken.

Wir haben die Kuratoren der Capitol Stiftung darüber informiert, ebenso die Gesellschafter des Capitol und den Vorstand unseres Freundeskreises. Die Gremien haben dem Vorgehen zugestimmt.

Yvonne Geiger
Vorständin Capitol Stiftung

Thorsten Riehle
Vorstand Capitol Stiftung

Artikel zur Stellungnahme/Entscheidung:
27.02.2019
Beitrag RON TV: Sarotti-Mohr rassistisch

28.02.2019
Mannheimer Morgen:
Der "Sarotti-Mohr" darf bleiben von Michael Ströbel
Die Rheinpfalz: Nostalgisch oder rassistisch? Mannheimer Sarotti-Mohr bleibt von Antje Landmann

04.03.2019 Stellungnahme des antidiskriminierungsbüros mannheim e.V.

Zur Entscheidung des Capitols, die Sarotti-Werbeanlage hängen zu lassen
Das antidiskriminierungsbüro mannheim e.V. (adb) bedauert sehr die Entscheidung des Capitols, die Sarotti-Werbung hängen zu lassen (wenn auch in "veränderter Haltung"). Das adb hat dem Capitol in zahlreichen Gesprächen empfohlen, die Sarotti-Werbung abzuhängen und einen geeigneten Platz für sie in Mannheim zu finden, an dem koloniale Kontinuitäten aufgezeigt und aufgearbeitet werden könnten. Damit gelänge es sehr viel besser, die Auseinandersetzung mit dem Thema fortzuführen und einen längerfristigen Veränderungsprozess in der Stadtgesellschaft zu befördern.
Auch hat das adb sich dafür stark gemacht, dass mehr Betroffenenvertreter*innen sowie Expert*innen zur Kolonialgeschichte in den Entscheidungsfindungsprozess einbezogen werden sollen. Die Zusammensetzung des Beratergremiums wird dem –  aus Sicht des adb – nicht gerecht. Die Stimmen Betroffener und ausgewiesener Expert*innen halten wir für relevanter als die Meinungsäußerungen von vielen Nicht-Betroffenen.
Der Sarotti-M. ist ein eindeutiges kolonialrassistisches Zeugnis. An dieser Tatsache ändern weder die Absicht, die Haltung der Figur von einem Kreativteam verändern zu lassen, noch der Umstand etwas, dass der Erschaffer der Figur, der Künstler Gipkens, selbst rassistischer Verfolgung ausgesetzt war. Die Sarotti-Werbung ist ein Paradebeispiel von wiederkehrender Alltagsdiskriminierung.
Die positive Absicht der Capitol-Betreibenden, die Sarotti-Figur zum Symbol für ihren Wunsch werden zu lassen, „mit unseren Gästen dauerhaft im Gespräch zu bleiben", steht nach Ansicht des adb in keinem Verhältnis zu den Verletzungen, die ebendieses Symbol bei den Betroffenen auslöst. Der, wenn auch veränderte, Sarotti-M. führt zur Assoziation kolonialrassistischer Herrschaft – ob bewusst oder unbewusst. Der Dialog könnte auch fortgeführt werden, ohne dass die Werbeanlage im Capitol hängen bleibt.
Eine demokratische, rassismuskritische Gesellschaft darf nicht hinnehmen, dass Alltagsrassismus, wie in Form des Sarotti-M., in öffentlichen Kultureinrichtungen präsent ist. Wir dürfen nicht hinnehmen, dass Betroffene immer wieder und unfreiwillig mit dem Thema konfrontiert werden und Kolonialrassismus dadurch immer wieder reproduziert wird.
Das Capitol möchte mit den Aktionstagen "Kein Platz für Rassismus" im dauerhaften Gespräch mit der Bevölkerung bleiben und seinen "Anteil auf dem Weg zu einer rassismusfreien Gesellschaft" leisten. Das begrüßen wir. Durch den Sarotti-M. über der Theke gibt es jedoch dem Alltagsrassismus einen Platz im eigenen Haus. Und das ist mehr als bedauerlich.

Artikel zur adb Stellungnahme:
06. März 2019 Mannheimer Morgen: "Bietet Platz für Alltagsrassismus im eigenen Haus" von Lisa Wazulin
07. März 2019 Die Rheinpfalz: "Bedauerlich", dass der Sarotti-Mohr bleibt von jel

Die Chronologie der Ereignisse