Sarotti

Am 10. Oktober 2018 veranstaltet Mannheim sagt ja! einen Abend zum Thema Alltagsrassismus.
Einige Teilnehmer der Veranstaltung üben Kritik an der Sarotti-Reklame über der Theke im Foyer. Vor und nach der Veranstaltung gab es kritische Posts auf Facebook in Bezug auf die Sarotti Reklame. Wir nehmen diese Kritik ernst und stoßen auch von unserer Seite eine Diskussion an.

Aufgrund der Diskussion, die sich um die Sarotti-Reklame entsponnen hat, werden wir hier auf der Seite alle wichtigen Punkte aufführen, da wir keine Möglichkeit sehen, die äußerst umfangreiche Diskussion vor allem auf Facebook moderierend zu begleiten. Darüber hinaus finden Sie hier alle Maßnahmen, Zwischenschritte und Veranstaltungen, die zu diesem Themen stattgefunden haben oder stattfinden werden. Ganz oben finden Sie jeweils den neuesten Eintrag.

Kein Platz für Rassismus

15.11.2022 Kein Platz für Rassismus - Veranstaltungsreihe geht 2023 in die dritte Runde:

10.02.23, 19 Uhr
Florence Brokowski-Shekete
Raus aus den Schubladen: Meine Gespräche mit Schwarzen Deutschen
Lesung und Diskussion
Casino, Eintritt frei

23.02.2023, 19 Uhr
Queer im Leben!
Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt in Geschichte und Gegenwart der Rhein-Neckar-Region.
Veranstaltung in Kooperation mit dem MARCHIVUM
Casablanca, Eintritt frei

28.02.23, 19 Uhr
Eine Frage der Würde
Kolonialismus - Rassismus – Straßennamen
Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem AK Kolonialgeschichte
Capitol, Eintritt frei

01.03.2023, 19 Uhr
Ein Abend mit Juandalynn R. Abernathy, dem ersten Kind der US-Freiheitsbewegung
Vortrag
Capitol, Eintritt frei

10.03.2023, 20 Uhr
Die Zwei von der Klangstelle
Konzert
Casino

13.03.2023, 19 Uhr
Flüchtlingsdeal, Duldungsfiktion und Negativstaater -wie wir geflüchtete Menschen verwalten
Text- und Gedankencollage zum Umgang mit Schutzsuchenden
Veranstaltung in Zusammenarbeit mit Save Me
Casablanca, Eintritt frei

14.03.2023, 19 Uhr
Ausgrenzung und Diskriminierung - Antiziganismus in unserer Gesellschaft
Diskussionsrunde mit Filmbeiträgen in Kooperation mit dem Verband Deutscher Sinti & Roma
Capitol, Eintritt frei

16.03.2023, 20 Uhr
Konzert mit dem Bridges Kammerorchester
Heimat-Hafen
Capitol

17.02.2020 Geschäftsführer Thorsten Riehle antwortet auf den Kommentar im Mannheimer Morgen vom 13. Februar 2020

In einem Punkt sind wir uns sehr einig: auch mich nervt es!

Es nervt mich, dass es Menschen gibt, die nur aufgrund der Tatsache, dass wir uns mit der Sarotti Figur auseinandersetzen, den nahenden Untergang unserer deutschen Kultur prognostizieren.
Es nervt mich, dass Befürworter der Werbeanlage mit einem Boykott unserer Veranstaltungen drohen, wenn die Sarotti Figur nicht sofort wieder enthüllt wird.
Es nervt mich, dass jede und jeder seine noch so menschenverletzende Meinung als Kommentar unter Medienartikel setzen kann und damit ein Bild von einer Gesellschaft zeichnet, die in dieser Frage nicht unversöhnlicher sein könnte.
Es nervt mich, dass Abhängungs-Befürworter diese Diskussion dazu nutzen, um politisches Kapital zu schlagen, und dabei nicht davor zurückschrecken, Unterschriften von Menschen unter einen offenen Brief zu setzen, die diesen gar nicht unterzeichnet haben oder einen hochgeachteten Historiker in die Nähe eines völkisch Verblendeten stellen, weil er die historische Bedeutung der Sarotti Figur als sympathischen Werbeträger herleitet.
Es nervt mich, dass Menschen, die ich eigentlich für sehr intelligent halte, nicht in der Lage sind, mit anderen Argumenten und Sichtweisen normal und sachlich umzugehen.
Es nervt mich, dass Rechtspopulisten sich vor Lachen den Bauch kaum halten können, weil wir es nicht hinbekommen, den Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung konsequent gemeinsam zu führen, weil wir uns in einer überhitzten Diskussion gegenseitig die Deutungshoheit zu dem Thema vorhalten müssen.
Es nervt mich, dass es Menschen gibt, die in einer schwarzen Schnur und Jutesäcken oder einem Zeitpunkt des Abhängens der Kunstinstallation ernsthaft Bedeutungen hinein interpretieren wollen.

Und das alles wegen einer 70 Jahre alten Schokoladen Werbeanlage in einem kleinen Kulturhaus in der Mannheimer Neckarstadt.

Leute, geht´s noch?

Wenn es nervt, warum wird dann am nächsten Tag ein neuer große Artikel im Mannheimer Morgen platziert? Warum befeuern Agenturjournalisten das Thema immer und immer wieder, und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem alle Argumente ausgetauscht, alle Witze über „Negerküsse“, „Mohrenköpfe“ und „Zigeunerschnitzel“ zigfach über soziale Medien verbreitet sind?

Was mich wirklich nervt, ist die Tatsache, dass mein türkischstämmiger Freund aufgrund seines Namens keine Wohnung in Mannheim findet.
Was mich wirklich nervt, ist die Situation, in der eine Sängerin aus unserem Ensemble in der S Bahn von zwei weißen deutschen Männern aufgefordert wird, den Platz zu verlassen, weil sie eine andere Hautfarbe hat.
Was mich wirklich nervt, ist die Realität, in der ein dunkelhäutiger Mitarbeiter an der Sarotti Theke mit der Frage, ob er „Negerküsse“ verkauft, bewusst provoziert wird.

Das nervt mich wirklich – und wenn wir mit der ganzen Aktion, mit der ganzen Diskussion auch nur einen Augenblick des Zuhörens, des Nachdenkens und der Reflektion erreichen, dann habe ich gerade erst angefangen zu nerven.

Denn das Ziel ist klar: Jeder hat das Recht mit seiner Herkunft, seiner Hautfarbe, seiner Familiengeschichte ein Teil dieser Gesellschaft zu sein.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Darum geht es.

Und jeder ist aufgerufen dazu, uns dabei zu unterstützen – und mit uns weiter zu nerven!

Artikel zur ersten künstlerischen Auseinandersetzung mit der Werbeanlage
13.02.2020 
Die Rheinpfalz Versteckspiel mit "Sarotti-Mohr"
Mannheimer Morgen Problem vorübergehend verhüllt
Rhein-Neckar-Zeitung Verhüllt statt abgehängt
Badische Zeitung Der "Sarotti-Mohr" polarisiert die Mannheimer

12.02.2020
SWR Umstrittener "Sarotti-Mohr" in Mannheim wird verhüllt
RNF Gegen Alltagsrassismus – das Capitol verhüllt den „Sarotti-Mohren“ temporär
RON TV Der Streit um den Sarotti-Mohr

12.02.2020 Pressegespräch zu den Aktionstagen und Vorstellung der ersten künstlerischen Auseinandersetzung mit der Werbeanlage

Der erste Entwurf zum künstlerischen Umgang mit der Werbeanlage von Georg Veit ( Künstlerischer Leiter Capitol Mannheim)

Statement Thorsten Riehle beim Pressegespräch am 12.02.2020

"Wir befinden uns vor dem am häufigsten fotografierten Detail im Capitol. Viele Menschen kommen zu den Veranstaltungen und fotografieren die Sarotti Werbeanlage. Ich bin mir sicher, dass sich das in den nächsten Wochen mit der Installation von Georg Veit noch deutlich verstärken wird.

Denn die Heftigkeit der Diskussion um die Sarotti Figur ist nach wie vor groß. Selbst die kleine Ankündigung, dass wir heute ein erstes Ergebnis vorstellen, wird in wenigen Stunden in den sozialen Netzwerken bislang über 300mal kommentiert und über 100mal geteilt.

Eines bleibt in den Kommentaren deutlich, nämlich die scheinbare Unvereinbarkeit der beiden Positionen - abhängen auf der einen Seite und unverändert lassen auf der anderen.

Diese Auseinandersetzung bestärkt uns darin, dass wir mit den Aktionstagen „Kein Platz für Rassismus“ einen wichtigen Beitrag leisten.

Eines ist für uns als Verantwortliche im Capitol klar: wir lassen die Meinung, dass die Werbeanlage im öffentlichen Raum nicht mehr gezeigt werden sollte, als einen legitimen Umgang gelten. Die Aktionstage im letzten Jahr haben deutlich gemacht, dass sich Betroffene daran nicht nur stören, sondern dass es für sie eine Einschränkung bedeutet, wenn die Werbeanlage hängen bleibt. Ich selbst bin als weißer deutscher Mann, als Mitglied der Mehrheitsgesellschaft keinem Rassismus ausgesetzt, deshalb kann ich mich auch nicht in die Lage versetzen. Ich muss aber akzeptieren und respektieren, dass es Menschen gibt, die andere Erfahrungen gemacht haben und deshalb eine Abhängung fordern.

Und weil es den Rassismus in unserer Gesellschaft weiterhin gibt, ist es unser Ziel, die Werbeanlage zu nutzen, um mit den Menschen in eine Diskussion über persönliches Verhalten zu kommen. Die Aktionstage im letzten Jahr haben bewiesen, dass uns das gelingt. Mehr als 700 Erwachsene und Jugendliche, so viele wie nie zuvor, haben sich bei mehreren Veranstaltungen mit der Frage auseinandergesetzt, was Rassismus und Diskriminierung für die Gesellschaft bedeuten. Das war durchaus auch kontrovers. Bei den Veranstaltungen sind unterschiedliche Ansichten aufeinandergetroffen, gab es letztlich aber auch Verständnis für die Position des anderen.

Dafür sind die Aktionstage wichtig.

Deshalb freue ich mich besonders, dass wir den Fotografen Luigi Toscano mit seinem Film „Gegen das Vergessen“ gewinnen konnten. Wir zeigen den Film einmal am Abend und bei einer Schülervorstellung morgens. Wichtig ist mir dabei, dass die Teilnehmenden die Möglichkeit haben, mit Luigi und miteinander ins Gespräch zu kommen.

„Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen“ ist eine Lesung mit Alice Hasters, die von Mannheim sagt Ja organisiert wurde und den Kern unseres Anliegens trifft, nämlich deutlich zu machen, dass wir viel zu oft weghören und wegsehen.

Das Marchivum beteiligt sich mit dem Vortrag „Von Surinam nach Mannheim“ an den Aktionstagen und arbeitet die außergewöhnliche Geschichte des Afroamerikaners Thomas van Vorden in Mannheim und Ludwigshafen auf, dem ersten dunkelhäutigen Bürger der Stadt im 19.Jahrhundert. Spannend daran ist, dass Prof. Dr. Ulrich Nieß die Geschichte für einen Vortrag in den letzten Aktionstagen aufgearbeitet hat und dabei viele spannende Informationen herausgekommen sind.

Neu ist, dass wir uns mit der Capitol Kindertheaterproduktion „Woanders ist es immer anders“ an Kindergärten und Grundschulen wenden und dort das Thema setzen wollen.

Abgerundet wird das Programm durch das Konzert „Die zwei von der Klangstelle“ mit Markus Weber, der Musik von jüdischen Komponisten der 1920er und 1930er Jahre zusammengestellt hat. Und wir werden das Bridges Kammerorchester zu Gast haben, in dem Menschen mit und ohne Fluchterfahrungen zusammen musizieren.

Zum Abschluss sind mir noch vier Bemerkungen wichtig:

Wir haben bislang drei verschiedene Entwürfe von drei Künstlerinnen und Künstlern vorliegen. Wir haben uns nach längerer Diskussion dazu entschieden, nicht eine Installation, sondern die verschiedenen Entwürfe in einer Art Wechselausstellung zu zeigen. Wir werden auch weiterhin dazu aufrufen, sich mit dem Umgang der Werbeanlage künstlerisch auseinanderzusetzen und führen so diesen Gedanken fort.

Die erste Installation ist bis mindestens zum 8. März zu sehen, vielleicht verlängern wir den Zeitraum auch oder zeigen die Installation noch einmal nach der Sommerpause. Diese Möglichkeit haben wir.

Es würde uns allen gut tun, wenn wir das Thema insgesamt deutlich weniger emotional diskutieren würden. Wir haben bewusst die aktuelle Installation nicht sofort umgesetzt, weil uns der Zeitpunkt unmittelbar vor den Aktionstagen am sinnvollsten erschien. Das hat nichts damit zu tun, dass wir um einen antidiskriminierenden Touch gerungen hätten. Wir hatten auch zu keinem Zeitpunkt einen konkreten Veröffentlichungstermin der Vorschläge genannt. Es hat uns gut getan, in Ruhe zu diskutieren und vorzubereiten. Diese Zeit haben wir uns bewusst genommen.

Die letzte Bemerkung: wir werden diejenigen, die ein Abhängen fordern, mit unserem Vorgehen nicht begeistern, genauso wenig, wie wir das bei denjenigen erreichen, die die gesamte Diskussion nicht verstehen und für unnötig halten. Und da es nur diese beiden Positionen zu geben scheint, gehen wir ein hohes Risiko ein, dass das was wir tun von keinem akzeptiert wird. Ich will aber auch deutlich machen, dass mir bisher keine Unternehmen, keine Organisation und kein Verein bekannt sind, die in dieser Art, wie wir das tun, mit dem Thema umgegangen wären. Und genau da sehe ich unsere Verantwortung. Nämlich dafür zu sorgen, dass wir das Thema Rassismus und Alltagsdiskriminierung auf der Tagesordnung halten. Keiner hat das Recht, an dieser Motivlage zu zweifeln oder uns als Capitol Rassismus vorzuwerfen. Bei allem Verständnis für klare Haltung, würde das deutlich zu weit gehen.

Ich bin sehr gespannt darauf, wie sich die nächsten Wochen im Haus gestalten werden, welche Diskussion sich entfalten und welche Meinungen wir erhalten. Aber das gehört eben auch zur Veränderung, nämlich das gemeinsame Gespräch und die Diskussion."


05.02.2020 Kein Platz für Rassismus - Infomaterial und Broschüre zum künstlerischen Umgang mit der Werbeanlage

Kein Platz für Rassismus

31.10.2019 Kein Platz für Rassismus - Veranstaltungsreihe geht 2020 in die zweite Runde:

Dienstag, 18. Februar 2020, 19.00 Uhr, Capitol
Mittwoch, 19. Februar 2020, 9.00 Uhr, Capitol, Schulvorstellung
Luigi Toscano „Gegen das Vergessen“
Filmvorführung und Diskussion
Eintritt frei

Dienstag, 18. Februar 2020, 9.00 Uhr, Casablanca, Exklusiv für Kindergärten nach Voranmeldung
Woanders ist es immer anders
Kindertheaterprojekt zur Förderung von Integration und Miteinander
Eintritt frei

Mittwoch, 26.02.2020, 18.00 Uhr, Marchivum
Von Surinam nach Mannheim – die außergewöhnliche Lebensgeschichte des Afroamerikaners Thomas van Vorden (1816-1863) 
Vortrag im Marchivum
Eintritt frei

Donnerstag, 27. Februar 2020, 20.00 Uhr, Capitol
Bridges - Musik verbindet „Identigration"
Konzert mit dem Bridges-Kammerorchester
In Zusammenarbeit mit Mannheim sagt Ja! e.V. und Orientalische Musikakademie Mannheim
Eintritt 1. Kat. 26,20 € / 2. Kat. 21,80 €

Donnerstag, 05. März 2020, 19.00 Uhr, Casino
Alice Hasters „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen"
Lesung und Diskussion
In Zusammenarbeit mit Mannheim sagt Ja! e.V.
Eintritt frei

Begleitprogramm:
Sonntag, 16. Februar 2020, 18.00 Uhr, Casino
Dr. Markus Weber und Dieter Scheithe
Die Zwei von der Klangstelle
Eintritt 18,00 €

28.05.2019 Stellungnahme des OB Dr. Peter Kurz für die Stadt Mannheim
Sofern sich Institutionen und Einrichtungen gegen ein tolerantes Zusammenleben wenden, äußert sich die Stadt hierzu. Das resultiert unter anderem aus der „Mannheimer Erklärung für ein Zusammenleben in Vielfalt“, der sich die Stadt Mannheim verpflichtet hat. Da das Capitol den Diskurs über den „Sarotti-Mohr“ seit einiger Zeit offensiv, respektvoll und wertschätzend und damit im Sinne der Mannheimer Erklärung führt, besteht für die Stadt kein Anlass, die aktuelle Diskussion weitergehend zu kommentieren und zu bewerten. Schon gar nicht können wir uns den im Schreiben geäußerten Vorwürfen anschließen.

27.05. Antwort der Capitol Geschäftsführung auf den Offenen Brief

Einordnung des offenen Briefes hinsichtlich der Unterzeichner*innen
Dem Capitol liegt der offene Brief in einer Version vor, der am 17. April 2019 mit der Aufforderung der Unterzeichnung versendet wurde.
Diese Version wurde von Ruhan Karakul, die in sämtliche Prozesse und Abläufe bis zur Entscheidung involviert war, versendet. Das ist insofern wichtig, weil der offene Brief Kommentierungen enthält, die nur von jemand vorgenommen werden kann, der diesem Kreis angehörte.
Außerdem wird in dieser Version aufgeführt, dass das Mitglied des Bundestages Dr. Karamba Diaby den Brief unterzeichnet habe. Nach Rücksprache mit ihm ist festzuhalten, dass er keine Zustimmung zur Unterschrift des Briefes gegeben und dies Frau Karakul deutlich gemacht hat. Er steht jetzt auch nicht mehr als Unterzeichner unter der aktuellen Version.
Die Rücknahme der Unterschrift der Bundestagsabgeordneten Gökay Akbulut, die vor der Veröffentlichung des offenen Briefes die Initiative Schwarzer Menschen aufgefordert hat, sie nicht mehr als Unterzeichnerin zu führen, ist nicht erfolgt. Gökay Akbulut hat dies in einer Pressemeldung mittlerweile klargestellt.

Zum Inhalt des offenen Briefes
In dem offenen Brief wird uns vorgeworfen, wir würden die Sarotti Werbefigur „in einer möglicherweise karnevalesk verzerrten Version“ im Capitol hängen lassen. Dies trifft nicht zu. Wir haben vor wenigen Tagen ein erstes Gespräch mit einer Illustratorin und einem Grafiker geführt. Beide müssen sich aufgrund ihrer Hautfarbe und ihrer Herkunft mit Diskriminierung auseinandersetzen. Für uns sind das wichtige Partner mit der nötigen Sensibilität.
Es geht uns nicht darum, wie in dem offenen Brief behauptet wird, „die Perspektiven von Deutschen mit Migrationsgeschichte, Menschen of Colour, Schwarze Menschen und Menschen mit Fluchterfahrungen“ zu verzerren, unsichtbar zu machen oder zu instrumentalisieren. Das genaue Gegenteil ist der Fall: durch das Hängenlassen mit einer entsprechenden Kommentierung – wir haben es „Veränderung in der Haltung“ genannt – wollen wir ja darauf hinweisen, dass in unserer Gesellschaft die Themen Rassismus und Diskriminierung, aber auch Flucht und Migration aufgearbeitet werden müssen. Gerade wir haben im Rahmen der Sarotti Diskussion erlebt, wie verächtlich und belanglos manche Menschen damit umgehen. Genau mit diesen Menschen, die sich in unserer Gesellschaft und damit auch im Capitol finden, wollen wir ins Gespräch kommen und dauerhaft im Gespräch bleiben.
Mir persönlich wird vorgeworfen, ich hätte Hinweise, Anregungen oder Kritik der Initiative Schwarzer Menschen ignoriert und das Thema Rassismus methodisch und inhaltlich kontraproduktiv behandelt. Die Expertenrunde war in alle Schritte intensiv eingebunden, während des Prozesses wurde von keiner Seite diese Kritik geäußert. Herr Della als Bundesvorsitzender der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland war am ersten runden Tisch beteiligt. Dort haben wir den weiteren Prozess gemeinsam beschrieben, aber auch die Möglichkeiten des Abhängens oder Hängenlassens offen diskutiert. Spätere Hinweise gab es von Herrn Della nicht. Und natürlich haben wir im Laufe des Prozesses, der im Übrigen in allen Punkten auf der Capitol Homepage dargestellt wurde, mit zahlreichen Menschen gesprochen, die selbst unmittelbar aufgrund ihrer Hautfarbe oder Herkunft von Rassismus betroffen sind. Die große Mehrheit hat sich für das Hängenlassen und mit den Menschen ins Gespräch kommen ausgesprochen. Auch das haben wir in unserer Entscheidung zu berücksichtigen.
Weiter wird in dem Brief kritisiert, dass Expert*innen erst im Nachgang und auf Druck angefragt wurden. Auch das entspricht nicht der Tatsache, es gab keinen Druck sondern stets ein konstruktives Miteinander.
Im Brief wird weiterhin kritisiert, dass das Antidiskriminierungsbüro lediglich beim runden Tisch einbezogen gewesen wäre. Auch das ist unzutreffend, da Frau Koch vom ADB am 19. Februar 2019 den Prozess bei unserer öffentlichen Diskussionsveranstaltung zusammengefasst und eine eigene Empfehlung ausgesprochen hat. Die Zuladung zu der letzten Diskussion mit der Expertenrunde war ein Angebot, das ich auf Wunsch von Gerhard Fontagnier ausgesprochen habe. Der Termin konnte mit Ruhan Karakul, Herrn Prof. Nieß und Gerhard Fontagnier nur kurzfristig vereinbart werden, Frau Koch hatte leider keine Zeit. Uns jetzt daraus den Vorwurf zu formulieren, wir hätten das ADB erst spät hinzugezogen, ist unredlich.
Mir wird vorgeworfen, ich hätte mich zu keinem Zeitpunkt deutlich positioniert. Diese Behauptung ist falsch. Bereits im ersten Statement vom 15. Oktober 2018 habe ich deutlich gemacht, dass die Werbeanlage dazu geeignet ist, Menschen zu verletzen und wir die Hinweise auf rassistische Darstellungen ernst nehmen. „Im Capitol ist kein Platz für Rassismus, Hetze und Hass“ ist ein Zitat aus dem Statement, das eindeutiger nicht sein kann.
Ich habe weder Frau Yeboah noch Herrn Dr. Halua Pinto de Magalhaes auf ihre Betroffenheit reduziert, im Gegenteil: Jennifer Yeboah habe ich bei „Tee mit T.“ am 10. Februar 2019 nicht nur nach ihren eigenen Erfahrungen befragt, sondern mit ihr als Quartiermanagerin und Sozialarbeiterin den Umgang mit Rassismus in diesem Kontext besprochen. Bei der Veranstaltung vom 19. Februar 2019 hat Herr Dr. Halua Pinto de Magalhaes einen viel beachteten Fachvortrag als Experte gehalten. An keiner Stelle wurde ihm ausschließlich die Betroffenenrolle zugeschrieben.
Herrn Prof. Nieß wurde nicht, wie behauptet, „eine gewichtige Rolle gegeben“, er hat lediglich den Kontext zwischen dem Erschaffer der Werbefigur und der Ausgestaltung der Sarotti Marke der kunsthistorischen Dimension gegenübergestellt und auch ausführlich erklärt, warum er diesen Ansatz gewählt hat. Ihm dies als „menschenrechtlich kritikwürdige Ansichten“ zu unterstellen entbehrt jeder Grundlage.

Persönliche Einschätzung
Zunächst ist es mir ein Bedürfnis festzuhalten, dass wir ein gemeinsames Ziel haben, nämlich Rassismus und Diskriminierung aufzudecken und für eine offene und tolerante Gesellschaft zu kämpfen. Das hat das Capitol mehrfach in Stellungnahmen und durch unsere Aktionswoche, bei der sich mehr als 700 Menschen über dieses wichtige Thema ausgetauscht haben, verdeutlicht.
Natürlich steht es allen offen, die von uns festgelegte Vorgehensweise zu kritisieren, sie als falsch zu verurteilen. Mir aber zu unterstellen, ich würde nicht ausreichend genug Position gegen Rassismus und Diskriminierung beziehen, ist nicht nur falsch sondern lässt auch mein politisches, gesellschaftliches und berufliches Engagement völlig außer Acht.
Wir alle müssen uns für eine Gesellschaft ohne Rassismus einsetzen. Letztlich ist es dem gesamten Prozess nicht dienlich, wenn wir dieses Ziel nicht gemeinsam verfolgen. Wir wollen sehr gerne das beitragen, was wir in unseren Möglichkeiten beitragen können. Unser Beteiligungsprozess, der das Ziel verfolgt, Veränderungen in der Gesellschaft herbeizuführen, verstehe ich als eine Möglichkeit, Haltung zu und einen Umgang mit Rassismus und Diskriminierung zu finden. Die Werbeanlage aus der Öffentlichkeit zu verbannen heißt, uns die Möglichkeit zu nehmen, an diesem Ziel zu arbeiten. Nach den zahlreichen Debatten, persönlichen Gesprächen und Korrespondenzen habe ich jedoch den Eindruck gewonnen, dass diese Debatte und diese Auseinandersetzung notwendiger denn je ist.
Bei allem Verständnis für unterschiedliche Positionen, bei allem Verständnis für Menschen, die unter Rassismus zu leiden haben – es muss Schluss sein diejenigen anzugreifen, die die gleichen Ziele verfolgen.
Ich lade deshalb alle ein, gemeinsam gegen Rassismus und Diskriminierung zu kämpfen und die Energie in dieser für die Bewahrung unserer Demokratie so wichtigen Auseinandersetzung auf diejenigen zu richten, die eine Abschaffung unserer freien und pluralistischen Gesellschaft anstreben. Nicht zuletzt die Ergebnisse der gestrigen EU Wahlen zeigen, dass wir an einem Strang ziehen müssen und uns nicht spalten lassen sollten.

Thorsten Riehle
Geschäftsführer Capitol Betriebs GmbH & Vorstand Capitol Stiftung

22.05.2019 Offener Brief zu Causa Sarotti Capitol Mannheim
Offener Brief an die Geschäftsführung des Capitol Mannheim, interessierte Kommunalpolitiker*innen der Rhein-Neckar-Region, lokale Verbände und Vereine
interessierte Medienvertreter*innen, Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen
Verantwortung übernehmen für kolonialrassistische Präsenz in der
Öffentlichkeit – Wir fordern die Abhängung des „Sarotti-M.“ im Mannheimer Capitol!

Die Unterzeichner*innen dieses offenen Briefes fordern sowohl die Capitol Geschäftsführung als auch die Stadtspitze und Mandatsträger*innen dazu auf, die deutsche Kolonialgeschichte, die auch in Mannheim ihre Spuren hinterlassen hat, und den damit verbundenen Rassismus, der sich in öffentlichen Institutionen wiederfindet, mit der gebotenen Sensibilität aufzuarbeiten und die notwendigen politischen Maßnahmen zu treffen. Insbesondere fordern wir, dass Abbildungen, die kolonialrassistische Symbole darstellen, aus öffentlich zugänglichen Bereichen entfernt werden. Auch private Kultureinrichtungen sind in der Verantwortung, für eine rassismusfreie Gesellschaft einzustehen. Zu begründen ist zwar, dass anlässlich der Causa „Sarotti-M.“ in Mannheim erstmals eine kritische Auseinandersetzung stattgefunden hat, allerdings belegt insbesondere die Vorgehensweise der Capitol-Gesch.ftsführung die Notwendigkeit um einen Diskurs über strukturellen Rassismus.

Dass der „Sarotti-M.“ in einer möglicherweise karnevalesk verzerrten Version im Capitol hängenbleiben soll, dokumentiert den mangelnden politischen Willen einer Kulturinstitution sich mit der städtischen Realität Mannheims, in der über 40 Prozent der Bevölkerung eine Migrationserfahrung hat, adäquat auseinanderzusetzen. Wir fordern daher die Kulturschaffenden und Kulturpolitiker*innen der Stadt auf, die Perspektiven von Deutschen mit Migrationsgeschichte, Menschen of Colour, Schwarze Menschen und Menschen mit Fluchterfahrungen nicht zu verzerren, unsichtbar zu machen oder zu instrumentalisieren. Denn dies belastet sowohl das Verhältnis zu einem großen Teil der Stadtgesellschaft wie es auch den Glauben an die gelebte Pluralität einer Einwanderungsstadt, in der wir alle gemeinsamen Fortschritte machen wollen, trübt.
Festzuhalten ist, dass der Capitol-Geschäftsführer Thorsten Riehle trotz anfänglicher Behauptungen, das Thema Rassismus ernst zu nehmen und den Prozess transparent aufarbeiten zu wollen, sowohl methodisch als auch inhaltlich kontraproduktiv gehandelt hat. Hinweise, Anregungen, Kritik von Aktivist*innen of Colour und der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, wie etwa des Vorstandssprecher Tahir Della, wurden ignoriert.

Ausgewiesene wissenschaftliche Expert*innen wurden erst im Nachgang und auf Druck von Ruhan Karakul (Mitglied im von der Capitol-Geschäftsführung einberufenen Beratergremium) angefragt. 

Eine Einbeziehung des Antidiskriminierungsbüros Mannheims erfolgte lediglich im Rahmen der Einberufung des Runden Tisches und auf die abschließende Sitzung wurde das ADB zu kurzfristig eingeladen. Zu keinem Zeitpunkt war eine deutliche Positionierung des Capitol-Gesch.ftsführers zu erkennen. Auf den konkreten Veranstaltungen wurden die Vortragenden Jennifer Yeboah (Sozialarbeiterin, Quartiersmanagement Neckarstadt) und Dr. Halua Pinto de Magalhães (Wissenschaftler, Uni Heidelberg) trotz ihrer deutlich formulierten beruflichen, politischen und wissenschaftlichen Expertise zu den Themen Kolonialismus, Rassismus und Migration wiederholt auf eine „Betroffenen Perspektive“ reduziert (siehe Bericht in der Rheinpfalz und TV-Beitrag RNF). Im Gegensatz dazu wurde der Position von Prof. Dr. Ulrich Nieß, der zwar der Leiter des Mannheimer Stadtarchivs (MARCHIVUM) ist, aber keine wissenschaftliche Expertise auf dem Gebiet Kolonialgeschichte hat, im Rahmen der Entscheidungsfindung eine gewichtige Rolle gegeben. Seine am 19. Februar 2019 im Capitol präsentierten Thesen blendeten nicht nur die historische und gesellschaftliche Verantwortung Europas gegenüber globalen Macht- und Ungleichheitsverhältnissen aus, sondern delegitimierten antirassistisches Wissen und Wirken. Dass der Leiter des städtischen Archivs in dieser Hinsicht kritikwürdige Ansichten auf öffentlichen Veranstaltungen vertritt, mithin dem in Aufschwung befindlichen Rechtspopulismus einen Nährboden liefert, ist höchst bedenklich und zeigt die Notwendigkeit der Schulungen für das Personal städtischer Einrichtungen. Die Bekämpfung von Rassismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Mannheim ist eine Stadt, die sich der Vielfalt und Offenheit verschrieben hat. Daher appellieren wir an die Capitol-Geschäftsführung, diesem Anspruch gerecht zu werden, ihre fehlerhafte Entscheidung rückgängig zu machen und die Werbeanlage mit dem Sarotti-M. sofort abzuhängen.

Erstunterzeichner*innen

Tahir Della, Sprecher, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland ISD e.V.
Dr. Halua Pinto de Magalhães, Universität Heidelberg und Berner Rassismus Stammtisch
Dr. Onur Suzan Nobrega, Soziologin, Goethe-Universität Frankfurt am Main

Unterzeichnende Organisationen
Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, ISD e.V.
Tribunal NSU-Komplex Auflösen, Mannheim
BPoC Collective Mannheim
Aufstehen gegen Rassismus Rhein-Neckar
Zeigeist ShareIty e.V.
Queerfeministisches Kollektiv Heidelberg
Migration Hub Heidelberg
Alevitische Gemeinde Rhein-Neckar e.V.
Arbeitsgemeinschaft der Kulturen Rhein-Neckar
RBD StuRa Uni Heidelberg Antidiskriminierungsbüro
HD.net-Respekt!
Bündnis gegen Rassismus Berlin
Glokal e.V., Berlin

Zweitunterzeichner*innen
Gökay Akbulut, MdB, DIE LINKE, Mannheim
Danijel Cubelic, Antidiskriminierungsbeauftragter Stadt Heidelberg
Bruno Faigle-Cedzich, Institut für Theoretische Physik, Heidelberg Senait Fletcher-Semere,
BPoC Collective, Mannheim
Martin Gerdemann, FIAN, Heidelberg
Dr. habil. Martin Greve, Musikwissenschaftler, Istanbul
Golnaz Hourmazdi ,Filmemacherin, Mannheim
Johanna Illgner, SPD Heidelberg-Bergheim
Gianni Jovanovic, Stand Up Comedian und Gründungsmitglied von Queer Roma e.V., Köln
Dr. Cagri Kahveci, Soziologe, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Lucía Muriel, Migration, Entwicklung, Partizipation MEPa e.V., Berlin
Sandra Oliveira, BPoC Collective, Mannheim/Heidelberg
Gülseren Sarikaya, Doktorandin, SPD Leimen
Norman Sosa, Stand Up Comedian, Köln
Dr. des. Vanessa E. Thompson, Institut für Soziologie, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Ricardo Waibel, Institut für Theoretische Physik, Universität Heidelberg
Elisa Ziegler, Institut für Umweltphysik, Universität Heidelberg

09.04.2019 Die dpa berichtet in einer Agenturmeldung über das Thema  
Viele Medien greifen die Agenturmeldung auf. Hier eine Auswahl:
Tagesschau - Facebook
Spiegel.de
Welt.de
Focus.de

März 2019 externe Grafiker werden kontaktiert um an der Umgestaltung mitzuarbeiten:
Aufgabenstellung:
Das Emblem der Sarotti Werbung, die „Sarotti-Figur“, wird von Teilen unseres Publikums als rassistisch und diskriminierend empfunden. Alle Informationen zur Diskussion rund um die Werbeanlage finden Sie unter: www.capitol-mannheim.de/sarotti-reklame
Nach langer interner und öffentlicher Diskussion haben wir uns entschlossen, die Figur so umzugestalten bzw. zu ergänzen, dass die „Sarotti-Figur“ zum “Symbol“ gegen den alltäglichen Rassismus wird. Es sind also kreative Lösung gefragt, die die Figur in ihrer Wahrnehmung umdeuten, ohne den ursprünglichen Zusammenhang zu verleugnen.

Zu beachten:
Die Leuchtmittel-Reklame muss als Ensemble im Ganzen erhalten werden. Der Schriftzug “SAROTTI” darf nicht verändert werden. Die Sarotti-Figur darf in ihrem Aussehen und in der Kleidung nicht verändert werden. Lediglich die Hände/Arme dürfen verändert werden. Das Tablett darf entfernt werden.
Zusätzliche Elemente können angebracht werden. Diese dürfen über die runde Umrandung hinausragen.

Wir erwarten bis zum 31.Mai 2019 zunächst einen Entwurf, der die spätere Gestaltung deutlich macht.
Haben wir uns für einen Entwurf entschieden, ergeht der Auftrag, den Entwurf mit unserem Webemittel-Produzenten umzusetzen.

Ein mündliches Briefing folgt gerne nach Ihrer Zusage.

Artikel zur adb Stellungnahme:
07. März 2019 Die Rheinpfalz: "Bedauerlich", dass der Sarotti-Mohr bleibt von jel
06. März 2019 Mannheimer Morgen: "Bietet Platz für Alltagsrassismus im eigenen Haus" von Lisa Wazulin

04.03.2019 Stellungnahme des antidiskriminierungsbüros mannheim e.V.

Zur Entscheidung des Capitols, die Sarotti-Werbeanlage hängen zu lassen
Das antidiskriminierungsbüro mannheim e.V. (adb) bedauert sehr die Entscheidung des Capitols, die Sarotti-Werbung hängen zu lassen (wenn auch in "veränderter Haltung"). Das adb hat dem Capitol in zahlreichen Gesprächen empfohlen, die Sarotti-Werbung abzuhängen und einen geeigneten Platz für sie in Mannheim zu finden, an dem koloniale Kontinuitäten aufgezeigt und aufgearbeitet werden könnten. Damit gelänge es sehr viel besser, die Auseinandersetzung mit dem Thema fortzuführen und einen längerfristigen Veränderungsprozess in der Stadtgesellschaft zu befördern.
Auch hat das adb sich dafür stark gemacht, dass mehr Betroffenenvertreter*innen sowie Expert*innen zur Kolonialgeschichte in den Entscheidungsfindungsprozess einbezogen werden sollen. Die Zusammensetzung des Beratergremiums wird dem –  aus Sicht des adb – nicht gerecht. Die Stimmen Betroffener und ausgewiesener Expert*innen halten wir für relevanter als die Meinungsäußerungen von vielen Nicht-Betroffenen.
Der Sarotti-M. ist ein eindeutiges kolonialrassistisches Zeugnis. An dieser Tatsache ändern weder die Absicht, die Haltung der Figur von einem Kreativteam verändern zu lassen, noch der Umstand etwas, dass der Erschaffer der Figur, der Künstler Gipkens, selbst rassistischer Verfolgung ausgesetzt war. Die Sarotti-Werbung ist ein Paradebeispiel von wiederkehrender Alltagsdiskriminierung.
Die positive Absicht der Capitol-Betreibenden, die Sarotti-Figur zum Symbol für ihren Wunsch werden zu lassen, „mit unseren Gästen dauerhaft im Gespräch zu bleiben", steht nach Ansicht des adb in keinem Verhältnis zu den Verletzungen, die ebendieses Symbol bei den Betroffenen auslöst. Der, wenn auch veränderte, Sarotti-M. führt zur Assoziation kolonialrassistischer Herrschaft – ob bewusst oder unbewusst. Der Dialog könnte auch fortgeführt werden, ohne dass die Werbeanlage im Capitol hängen bleibt.
Eine demokratische, rassismuskritische Gesellschaft darf nicht hinnehmen, dass Alltagsrassismus, wie in Form des Sarotti-M., in öffentlichen Kultureinrichtungen präsent ist. Wir dürfen nicht hinnehmen, dass Betroffene immer wieder und unfreiwillig mit dem Thema konfrontiert werden und Kolonialrassismus dadurch immer wieder reproduziert wird.
Das Capitol möchte mit den Aktionstagen "Kein Platz für Rassismus" im dauerhaften Gespräch mit der Bevölkerung bleiben und seinen "Anteil auf dem Weg zu einer rassismusfreien Gesellschaft" leisten. Das begrüßen wir. Durch den Sarotti-M. über der Theke gibt es jedoch dem Alltagsrassismus einen Platz im eigenen Haus. Und das ist mehr als bedauerlich.

Artikel zur Stellungnahme/Entscheidung:
28.02.2019
Mannheimer Morgen: Der "Sarotti-Mohr" darf bleiben von Michael Ströbel
Die Rheinpfalz: Nostalgisch oder rassistisch? Mannheimer Sarotti-Mohr bleibt von Antje Landmann

27.02.2019
Beitrag RON TV: Sarotti-Mohr rassistisch

Offizielle Stellungnahme der Capitol Stiftung zur Entscheidung - veröffentlicht am 27.02.2019
Für uns als Hauseigentümer waren die letzten Monate eine intensive Zeit der Auseinandersetzung mit den Themen Rassismus und Alltagsdiskriminierung.

Wir möchten uns zunächst bei allen bedanken, die sich konstruktiv in die Diskussion um die Sarotti Werbeanlage eingebracht haben. Insbesondere gilt unser Dank dem Beratergremium, bestehend aus Ruhan Karakul, Gerhard Fontagnier und Prof. Dr. Ulrich Nieß, das uns intensiv begleitet hat.

Die Diskussion um die Sarotti Werbefigur ist ein emotionales Thema. Sie hat eines gezeigt: viele Menschen identifizieren die Figur als ein kolonialrassistisches Zeugnis, das nicht mehr in unsere Zeit gehört. Andere haben positive Erinnerungen und verweisen darauf, dass sich die Figur historisch nicht mit Rassismus in Verbindung bringen lässt, zumal  die Familie des Erschaffers der Figur Julius Emil Friedrich Gipkens selbst rassistischer Verfolgung durch das NS Regime ausgesetzt war und in die USA floh.

Diese beiden Positionen sind unvereinbar und in einer Art und Weise aufeinandergetroffen, die uns in ihrer Heftigkeit sehr erschreckt hat.

Für uns als Capitol steht außer Frage, dass sich Alltagsdiskriminierung und Rassismus in unserer Gesellschaft unzweifelhaft finden lässt. Es gibt allerdings kaum eine Möglichkeit, darüber ins Gespräch zu kommen. Mit der Veranstaltungsreihe „Kein Platz für Rassismus“ haben wir einen Ort geschaffen, der dieses Gespräch ermöglicht hat. Mehr als 700 Jugendliche und Erwachsene haben die sechs Veranstaltungen wahrgenommen. Für uns ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass es weiterhin einen Raum für die Auseinandersetzung mit Rassismus geben muss.

Das schaffen wir als Kultureinrichtung aber nicht alleine, dafür wird eine gesamtgesellschaftliche Diskussion benötigt.

Für uns ist aber klar, dass wir diesen Raum weiterhin anbieten wollen, da wir festgestellt haben, dass das Thema für die überwiegende Mehrheit unserer Gäste bisher keine oder nur eine geringe Rolle in ihrem Alltag spielte.

Für unsere Entscheidung, für die wir uns Zeit genommen haben,  haben wir uns aus diesen genannten Gründen nicht die Frage gestellt, wie die Öffentlichkeit oder Betroffene entscheiden würden, sondern wie wir diese Auseinandersetzung mit Alltagsrassismus sichtbar machen und damit in das Bewusstsein unserer Gäste bringen können.

Aus diesem Grund haben wir uns zu folgender Vorgehensweise entschieden:

  1. Die Sarotti Werbeanlage bleibt in unserem Haus erhalten.
  2. Die Sarotti Figur wird weiterhin gezeigt, ihre Haltung wird aber verändert. Sie soll zum Symbol für unseren Wunsch werden, mit unseren Gästen dauerhaft im Gespräch zu bleiben. Eine Irritation des Betrachters ist hier gewünscht und beabsichtigt, diese soll den Dialog anregen. Wie genau die veränderte Haltung aussehen wird, werden wir in den nächsten Wochen in Zusammenarbeit mit unserem Kreativteam erarbeiten und danach bekannt geben.
  3. Um weitere Gespräche zu befördern, werden wir zu Beginn eines jeden Jahres gemeinsam mit weiteren Akteuren und Initiativen zu den Aktionstagen „Kein Platz für Rassismus“ einladen.

Wir versprechen uns von dieser Vorgehensweise, die eine der Optionen war, die wir im Oktober mit Betroffenen sowie Einrichtungen und Verbänden am runden Tisch diskutiert hatten, im dauerhaften Gespräch mit der Bevölkerung zu bleiben und somit unseren Anteil auf dem Weg zu einer rassismusfreieren Gesellschaft zu leisten.

Diese Vorgehensweise haben wir mit unserem Beratergremium besprochen. Bis auf Frau Karakul haben die Mitglieder dem zugestimmt.

Uns ist durchaus bewusst, dass diese Maßnahmen den Umstand mit sich bringen, die Diskussion um die Sarotti Werbefigur nicht zu beenden. Wir sind aber der festen Überzeugung, dass sie uns helfen wird, dem beschriebenen Ziel näher zu rücken.

Wir haben die Kuratoren der Capitol Stiftung darüber informiert, ebenso die Gesellschafter des Capitol und den Vorstand unseres Freundeskreises. Die Gremien haben dem Vorgehen zugestimmt.

Yvonne Geiger
Vorständin Capitol Stiftung

Thorsten Riehle
Vorstand Capitol Stiftung

24.02.2019 Artikel zur Veranstaltung am 18.02.2019
Kommunalinfo.de: Muss er weg, darf er hängen bleiben oder soll er ins Museum? Kontroverse Diskussion um den “Sarotti Mohr” von cki

22.02.2019 Artikel zur Veranstaltung am 18.02.2019
Mannheimer Morgen: "Schöpfer der Figur nicht rassistisch" von Christian von Stülpnagel

21.02.2019 Artikel zur Veranstaltung am 18.02.2019
Die Rheinpfalz: Nachbericht "Der Sarotti-Mohr hat ausgedient" von Antje Landmann
Lampertheimer Zeitung: Nachbericht "Streit um Sarotti-Mohren" von Wolf Goldschmitt

19./20.02.2019 Filmvorführungen und anschließende Diskussion "Die Arier" mit Mo Asumang vor Erwachsenen und Schülern Die Arier

 

19.02.2019 Die Sache mit dem 'Sarotti Mohr' – zwischen Kolonialrassismus und Alltagsdiskriminierung
mit Tina Koch, Dr. Halua Pinto de Magalhaes und Prof. Dr. Ulrich Nieß
Vorträge:
1, Marchivum - Ulrich Nieß - Die Anfänge einer Werbefigur bis 1945 / Eine Werbeikone bis heute: Kindertraum oder –trauma?
2, Impulsvortrag von Dr. Onur Suzan Nobrega (leider erkrankt), Co-Referent Dr. sc. Halua Pinto de Magalhaes „Kolonialismus, institutioneller Rassismus und die Rolle von Kulturinstitutionen“
3, Antidiskriminierungsbüros - Tina Koch - "Die Sache mit Sarotti in Mannheim ... Alltagsdikriminierung und die Rolle der Stadtgesellschaft"
Moderiert wurde das Gespräch am 19. Februar von Gerhard Fontagnier.
Anschließend Gesprächsrunde.

25.11.2018 Runder Tisch
Zu einem Runden Tisch zum Thema Sarotti Werbeanlage traf sich am Sonntag, 25. November 2018  Geschäftsführer Thorsten Riehle mit unterschiedlichen Interessengruppen. Mit dabei waren Vertreterinnen des Antidiskriminierungsbüro, Vertreterinnen der vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung, Vorstände von „Mannheim sagt Ja!“, Vertreter der Interessengemeinschaft der Schwarzen in Deutschland, Kulturschaffende sowie die vom Capitol eingesetzte Expertenrunde. Neben Kritik an der fehlenden Beteiligung lokaler Betroffener gab es Lob für den Prozess an sich und zahlreiche Hinweise darauf, wie das Capitol mit der Werbeanlage aber auch dem Thema an sich umgehen kann. Die Mehrheit der Anwesenden sprach sich in einer Schlussrunde für die Entfernung der Werbeanlage aus.

21.11.2018 Die Veranstaltungsreihe "Kein Platz für Rassismus" soll die Diskussion weiter führen.

Kein Platz für Rassismus

Folgende Veranstaltungen sind geplant:

Mittwoch, 23. Januar 2019, 20 Uhr, Capitol
"Solange es Menschen gibt" - Ein Film über Rassenvorurteile
In Zusammenarbeit mit "Mannheim sagt Ja!"
Eintritt frei

Sonntag, 10. Februar 2019, 16 Uhr, Casino
Tee mit T. "Rassismus im Alltag - geht uns das alle an?"
Thorsten Riehle im Gespräch mit Ruhan Karakul und Jennifer Yeboah
Eintritt frei

Dienstag, 19. Februar 2019, 20 Uhr, Casablanca
Die Sache mit dem "Sarotti Mohr"
Zwischen Kolonialrassismus und Alltagsdiskriminierung
Informations- und Diskussionsabend
Eintritt frei

Mittwoch, 20. Februar 2019, 20 Uhr, Capitol
"Die Arier"
Film und Diskussion mit Mo Asumang
Eintritt frei
Weiterhin ist eine Schülervorstellung geplant

Begleitprogramm:
Sonntag, 27. Januar 2019, 18 Uhr, Casino
Dr. Markus Weber und Dieter Scheithe
"Die Zwei von der Klangstelle"
Eintritt 18,00 € / Beste Semester 13,00 €

08.11.2018 Statement Freundeskreis Vorstand
Wir, der Vorstand des Capitol Freundeskreis e.V., haben anlässlich unserer Sitzung am 6. November über die Diskussion um den Sarotti Mohr gesprochen. Zunächst wollen wir festhalten, dass das Capitol ein weltoffenes Haus ist und in seiner Haltung als Kultureinrichtung auf Toleranz und Vielfalt aufbaut. Es ist uns wichtig dies zu betonen, da wir den Eindruck gewonnen haben, dass die Diskussion in Teilen aus dem Fokus geraten ist. Wir halten den vorgesehenen Weg der Thematisierung von Rassismus für richtig und wollen unser Capitol darin bestärken, einen adäquaten Umgang mit der Werbeanlage zu finden. Für uns steht es außer Frage, dass jeder, der mit der Sarotti Schokolade aufgewachsen ist, den Sarotti Mohr als positiven Markenkern erlebt hat. Das bitten wir in der Diskussion zu beachten.
Für den Vorstand des Capitol Freundeskreis e.V.
Andreas Seufert, Vorsitzender

02. November 2018 Einstündige Diskussionsrunde in der Sendung "Zur Sache" beim Rhein-Neckar-Fernsehen 15.00-16.00 Uhr
Wie harmlos ist der Sarotti-Mohr?
Alte Leuchtreklame im Mannheimer Capitol plötzlich Tagesgespräch
Gäste:
1. Christoph Dyckerhoff, Ethik-Berater
2. Henning Lobin, Direktor Institut für Deutsche Sprache
3. Thorsten Riehle, Geschäftsführer Capitol / Stadtrat MA
4. Peter Verclas, Präsident Marketing-Club Rhein-Neckar
5. Jennifer Yeboah, Leiterin Quartiermanagement MA-Herzogenried
Gesprächsleitung: Bert Siegelmann
Hier in der RNF Mediathek zu sehen: https://www.rnf.de/mediathek/video/zur-sache-vom-2-november-2018/?fbclid=IwAR0eXUFxdI3poRo5wuD5UPrfYRluPEC_wzqjrl4JlWr6bbLgy5i9bd0HidU

31. Oktober 2018 Schwöbels Woche im Mannheimer Wochenblatt widmet sich dem Thema. Hier nachzuhören. Hier nachzulesen auf S.2 (Ausgabe Wochenblatt Mannheim, 31. Oktober 2018 auswählen)

29. Oktober 2018 Beratergremium steht fest
Wie bereits berichtet wollen wir nach den Diskussionen und Veranstaltungen, die wir rund um das Thema Rassismus planen, mit einem Beratergremium abschließend klären, wie wir mit der Sarotti Werbeanlage umgehen.
In das Gremium wurden nun folgende Experten berufen:
Ruhan Karakul – Rechtsanwältin und Fachanwältin Strafrecht, bis 2015 externes Mitglied in der Enquetekommission „Konsequenzen aus der Mordserie des NSU“, bis September 2018 Justitiarin des Zentralrates der Deutschen Sinti und Roma unter anderem mit den Schwerpunkten Antirassismus und Antidiskriminierung, Ombudsfrau bei den Untersuchungen im "rnv-Rassismus Skandal"
Gerhard Fontagnier – als 1. Vorsitzender von „Mannheim sagt Ja!“ engagiert er sich für Flüchtlinge und Migranten und setzt sich aktiv gegen Hass, Hetze und Rassismus ein
Prof. Dr. Ulrich Nieß – Historiker und Direktor des MARCHIVUM – Haus der Stadtgeschichte, unter anderem Gutachter bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft und Mitglied der Kommission für geschichtliche Landeskunde Baden-Württemberg

Externe Beraterin
Mo Asumang – Regisseurin, Fernsehmoderatorin und Autorin des Buches „Mo und die Arier - Allein unter Rassisten und Neonazis“

25. Oktober 2018 unser erster Facebook Post hat inzwischen über 1000 Kommentare

24. Oktober 2018 Stellungnahme des Landesamts für Denkmalschutz
Auf Capitol Anfrage antwortet das Landesamt für Denkmalschutz wie folgt: Die Werbeanlage kann abgehängt werden, da sie nicht aus der Erbauungszeit des Capitol stammt und als beweglicher Gegenstand bei einem Kulturdenkmal nach §2 DSchG nicht zum Schutzgut gehört. Folglich kann der Denkmalschutz die Erhaltung der Werbeanlage nicht fordern. Sollte die Anlage abgebaut werden, muss sie aber gelagert, konserviert und somit der Nachwelt erhalten bleiben. Der Denkmalschutz empfiehlt jedoch den Erhalt der Werbeanlage mit einer entsprechenden Kommentierung.

19. Oktober 2018 unser erster Facebook Post hat inzwischen über 900 Kommentare

19. Oktober 2018 postalischer Eingang eines Statements von Teilnehmern der Veranstaltung "Monnemer of Colour"
Lieber Herr Riehle, liebes Capitol Team,
heute, am 10.10. haben wir gemeinsam in der Veranstaltung "Monnemer of Colour" über das Themenfeld Alltagsrassismus diskutiert. Unter anderem haben wir über die Dekoration der "Sarotti-Bar", vor allem das Bild des Sarotti-Mohr" gesprochen. Unserer Ansicht nach ist die Dekoration in ihrer herabwürdigenden Darstellung eines farbigen Menschen nicht mehr vertretbar.
Wir sind der Ansicht, dass es für das Capitol richtig wäre, zumindest ernsthaft zu überlegen, ob diese Dekoration noch zeitgemäß ist und am besten das Bild zu entfernen.
Unterzeichnet von 11 Teilnehmern der Veranstaltung.

19. Oktober 2018 Mannheimer Morgen
„Echt albern“ oder „nicht mehr zeitgemäß“?

19. Oktober 2018 Veröffentlichungen auf Der Neckarstadt-Blog von Johannes Paesler
Bericht: "Das Symbol aus der Vergangenheit. Eine alte Schokoladenwerbung im Eventhaus Capitol wird des Rassismus bezichtigt"
Kolumne zum Thema

18. Oktober 2018 Artikel im Mannheimer Morgen zum Thema
Artikel: Problematisch oder "totaler Unfug"? von Peter W. Ragge
Kommentar: Pro und Kontra mit Umfrage

18. Oktober 2018 Artikel auf Rheinpfalz.de
Artikel: Capitol Mannheim: Rassismus-Debatte wegen Leuchtreklame
Kommentar: Sarotti-Reklame: Ein Überrest aus vergangenen Tagen

17. Oktober 2018 Offizielles Presse Statement Thorsten Riehle - Geschäftsführer Capitol Mannheim
Das Capitol ist seit Jahren bekannt dafür, gesellschaftliche Themen aufzugreifen und gerade Fremdenfeindlichkeit und Rassismus mit Veranstaltungen im Haus zu thematisieren. Nun stehen wir selbst im Zentrum einer solchen Debatte. Die Heftigkeit, mit der die Diskussion zur Sarotti-Werbung in den sozialen Medien geführt wird, zeigt, wie umstritten das Thema in unseren Tagen ist. Wir wollen uns dieser Diskussion bewusst stellen.
Dafür werden wir mehrere Veranstaltungen auf den Weg bringen, um das Thema mit Experten, Betroffenen und unserem Publikum aufzuarbeiten. Wir versprechen uns davon, dass wir als Kulturtreibende Alltags-Rassismus durch die Aufnahme in den Spielplan aufzeigen und bei unseren Besuchern und Gästen Sensibilität stärken können. Um auch für unser Haus einen Umgang mit der umstrittenen Darstellung finden zu können, werden wir darüber hinaus mit einem Beratergremium ins Gespräch kommen. Dieses stellen wir gerade zusammen. Zusagen haben wir von Gerhard Fontagnier als 1. Vorsitzenden von „Mannheim sagt Ja!“ aber auch von Mo Asumang, einer Journalistin, die durch ihren Film und das Buch „Die Arier“ eine große Öffentlichkeit für das Thema hergestellt hat. Ich spreche derzeit über eine Veranstaltung mit ihr hier bei uns.

15. Oktober 2018 Facebook Statement Capitol Mannheim
Anlässlich einer Veranstaltung von „Mannheim sagt Ja!“ zum Thema Rassismus vor wenigen Tagen wurde die Werbeanlage an der Sarotti Theke angesprochen. Diese zeigt neben dem Schriftzug zwei Mal die Abbildung des "Sarotti-Mohren" als Diener, deren Darstellung dazu geeignet sein könnte, Menschen zu verletzen. Im Capitol ist kein Platz für Rassismus, Hetze und Hass – deshalb nehmen wir diesen Hinweis auf rassistische Darstellungen sehr ernst. Wir haben das Denkmalamt und das Marchivum darum gebeten, uns in der Aufarbeitung behilflich zu sein. Unser Ziel ist es, mit diesem Thema, das dazu geeignet ist Menschen herabzuwürdigen, adäquat umzugehen. Deshalb muss es unsere Aufgabe sein, unsere Gäste und Künstler zu sensibilisieren. Wir verstehen dies als einen Prozess, in dessen Verlauf wir Betroffene zu Wort kommen lassen, Verständnis wecken, die historischen Vorgänge aufarbeiten und einen Umgang finden wollen. Diesen Prozess werden wir in den nächsten Wochen beginnen. 
Hier findet man den Beitrag auf Facebook.

In den nächsten Tagen erhält der Post über 700 Kommentare, die zeigen, dass es immernoch notwendig ist das Thema Alltagsrassismus in die Diskussion zu bringen. Wir können es nicht leisten die Moderation einer so ausführlich geführten Diskussion zu übernehmen. Dies wäre aber bei vielen Kommentaren von Nöten. Deshalb entscheiden wir uns für den Schritt die Dokumentation des weiteren Vorgehens auf unserer Homepage abzubilden.

10. Oktober 2018 Veranstaltung von Mannheim sagt ja! Monnemer of Colour - Berichte und Vorträge zum Thema Alltagsrassismus
Teilnehmer der Veranstaltung üben Kritik an der Sarotti-Reklame über der Theke im Foyer

Vor und nach der Veranstaltung gab es einige kritische Posts auf Facebook in Bezug auf die Sarotti Reklame. Wir nehmen diese Kritik ernst und stoßen auch von unserer Seite eine Diskussion an.