"Zum hundertsten Mal!"

"Zum hundertsten Mal!" am 26. Oktober 2018 im Casino Capitol Mannheim
100 Jahre Frauenwahlrecht – nicht geschenkt, sondern erkämpft!

Mit Cornelia Möhring, frauenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, und Gökay Akbulut – MdB der LINKEN aus Mannheim.

Eingeleitet wird der Abend von Bettina Franke, Schauspielerin: “Frauen erhebt euch und die Welt erlebt euch!” - eine Lesung aktueller und historischer Texte engagierter Autorinnen zum Thema Frauenwahlrecht.

Am 12. November 2018 jährt sich die Einführung des Frauenwahlrechts zum 100. Mal, im Januar 1919 durften Frauen zum ersten Mal wählen und sich wählen lassen. Dieses Recht war das Ergebnis eines harten und erbitterten Kampfes – auf der Straße und im Parlament. Allein ein Blick auf die aktuelle Zusammensetzung des Deutschen Bundestags zeigt, dass dieser Kampf um politische Gleichstellung und Partizipation noch lange nicht beendet ist. Gerade einmal 30,7 Prozent der Abgeordneten sind weiblich.

Das formale Recht, sich als Kandidatin aufstellen lassen zu können, reicht eben bei Weitem nicht. Strukturen inner- und außerhalb des Parlaments müssen immer wieder in Frage gestellt und aufgebrochen werden. Es ist nicht nur ein an männlichen Norm-Biografien orientierter Politikbetrieb und eine durch jahrzehntelange männliche Dominanz entstandene Diskussions- und Arbeitskultur, die Frauen noch immer ausschließt oder ihnen zumindest einen deutlichen Mehraufwand abverlangt, um als gleichberechtigte Politikerin auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden. Vor allem die schlechtere Bezahlung von Frauen auf dem Erwerbsarbeitsmarkt und die geschlechtliche Arbeitsteilung, die Frauen noch immer den Großteil der unbezahlten Haus- und Sorgearbeiten zuweist, führen dazu, dass es Frauen oftmals sowohl an finanziellen als auch zeitlichen Ressourcen mangelt, die aber wiederum notwendig für politische Arbeit in Parteien und Institutionen sind.

Es sind also insbesondere Frauen mit geringem Einkommen und hoher Sorgeverantwortung für Andere, die ihr passives Wahlrecht am wenigsten realisieren können. Es sind  Alleinerziehende, pflegende Angehörige, Frauen aus dem Niedriglohnsektor und viele andere marginalisierte und prekarisierte Frauen – diejenigen, die am stärksten unter der herrschenden Politik leiden. Gerade sie wären für einen sozial gerechten gesellschaftlichen Wandel notwendig. Schon Clara Zetkin hat 1907 in ihrem Referat zur Frage des Frauenwahlrechts auf der Konferenz sozialistischer Frauen in Mannheim betont, dass das Wahlrecht eine unterschiedliche Bedeutung für Frauen entsprechend ihrer Klassenlage hat: „Für die Frauen hat das Wahlrecht praktisch eine ganz verschiedene Bedeutung je nach dem Besitz, über den sie verfügen, oder der Besitzlosigkeit, unter der sie leiden. Und zwar steht im allgemeinen der Wert des Stimmrechts für sie in umgekehrtem Verhältnis zur Größe ihres Besitzes.“

Wenn wir also für die politische Gleichberechtigung und Partizipation von Frauen kämpfen, müssen wir immer an beidem ansetzen: Wir müssen den formalen Zugang zur parlamentarischen Arena für Frauen verbessern, wir brauchen ein paritätisches Wahlrecht, also die Verpflichtung der Parteien, Wahllisten paritätisch aufzustellen – ohne einen solchen Druck wird sich an den festgefahrenen parteipolitischen Strukturen wohl auf absehbare Zeit wenig ändern. Wir müssen aber auch an den Strukturen ansetzen, die Frauen und insbesondere zeitlich und ökonomisch arme Frauen ausgrenzen: Gegen Lohndiskriminierung, für bessere Kinderbetreuung und für eine sozial gerechte Pflegeinfrastruktur. Und wir müssen deutlich machen: Diese sozialen Kämpfe sind immer auch solche um gesellschaftliche Teilhabe und politische Partizipation.

Eine Veranstaltung der Mannheimer LINKEN
Freitag, 26.10.2018, 19.00 Uhr
Vortrag & Diskussion
Casino
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