Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz

Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz am 06. September 2020 im Capitol Mannheim_Foto: Hartmut Frien
„Immer, wenn ich glücklich bin“ - Schlager und Chansons

Vorverkaufsstart ist 04. August 2020

„Mein kleiner grüner Kaktus“ oder „Veronika, der Spargel wächst“ – solche frechen, aber kunstvollen Schlager der Comedian Harmonists sind für uns der Inbegriff der Goldenen Zwanziger Jahre. So golden waren die aber gar nicht. Die Niederlage im Zweiten Weltkrieg und der Sturz der Monarchie waren für die desinformierte Bevölkerung ein Schock. Theater und Fabriken hatten munter weiterproduziert, da das Gemetzel ja auf den Territorien der Kriegsgegner stattfand. Nun aber standen auf einmal die Kriegskrüppel auf den Straßen, so wie Otto Dix und George Grosz sie gemalt haben.

Die Schlager und Songs der Roaring Twenties waren ein Ausbruch aus dem engstirnigen Nationalismus und brachten die frische Luft von Jazz und Swing nach Europa. Das gab sowohl der Operette als auch dem Schlager und dem Song ein neues Leben. Theater, Revue und Kabarett blühten auf. Bis 1933. Dann stempelten die Nazis die meisten Künstler als Juden ab und vertrieben oder ermordeten sie. Mischa Spoliansky und Friedrich Hollaender flohen, Die Comedian Harmonists wurden aufgelöst. Operette und Song verloren ihren Biss, ihre Hintergründigkeit und ihre Erotik.

Jetzt kam die Stunde für Musiker, die sich arrangierten und so auch noch in der Nachkriegszeit präsent blieben: Die Berliner Kollo-Dynastie blieb einfach was sie war, Franz Grothe und Peter Igelhoff spielten im Fernsehen beim „Blauen Bock“ auf, Gerhard Winkler („Caprifischer“) schrieb Musik zu Heimatfilmen und prägte den Schlager der Adenauerzeit, Michael Jary, in den 30ern Komponist von Zarah Leander, schrieb 1960 für Heidi Brühl „Wir wollen niemals auseinandergehn“. Die Musik all der Ermordeten und Vertriebenen hingegen blieb lange vergessen.

Aber auch die in Deutschland gebliebenen Schlagerkomponisten kämpften mit der Dumpfheit der Nazis und reizten die Grenzen aus, bis zu denen sie Jazz und Swing treu bleiben konnten. Auch ihr Publikum verlangte danach. Musikalisches Talent lässt sich ungern an die Leine legen, und im neuen Krieg versprach wenigstens die Musik ein wenig Entlastung.

Text: Bernd Feuchtner

 

Veranstalter: Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz

„Modern Times 2“
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